Teil 2: Die gläserne Spur
Der Geruch von Desinfektionsmitteln hing schwer in der Luft, während Julien im sterilen Korridor des Krankenhauses auf und ab ging. Lucas war in einem Nebenzimmer eingeschlafen, erschöpft von den Tagen der Angst.
Plötzlich öffnete sich die Tür des Behandlungszimmers. Dr. Aris, ein langjähriger Bekannter der Familie, trat heraus. Sein Gesichtsausdruck war nicht nur besorgt – er wirkte verstört.
„Julien, wir haben Mia stabilisiert. Das Fieber sinkt. Aber das ist nicht das Problem.“
Julien hielt den Atem an. „Was meinst du? Ist es eine Infektion?“
Dr. Aris schüttelte langsam den Kopf und führte Julien zu einem Monitor, der Mias Blutwerte anzeigte. „In ihrem Blut haben wir Spuren eines extrem seltenen Sedativums gefunden. Ein Beruhigungsmittel, das seit Jahren nicht mehr auf dem Markt ist. Aber das ist noch nicht alles.“ Er zögerte kurz. „Wir haben ihre DNA mit den Basisdaten abgeglichen, um nach genetischen Unverträglichkeiten für das Gegenmittel zu suchen. Julien… die Ergebnisse sind unmöglich.“

Das Unfassbare
Julien starrte auf den Bildschirm. „Was versuchst du mir zu sagen?“
„Mia ist organisch gesund, aber ihr genetischer Fingerabdruck… er stimmt nicht mit dem überein, was in euren Akten steht. Vor drei Jahren, als sie geboren wurde, war alles normal. Aber das Kind, das dort im Bett liegt… es ist biologisch gesehen nicht die Mia, die du kennst.“
Ein eiskalter Schauer lief Julien über den Rücken. Bevor er antworten konnte, vibrierte sein Handy. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Kein Text, nur ein kurzes Video:
Es zeigte das Innere seines eigenen Hauses.
Auf dem Küchentisch lag ein kleiner, silberner Schlüssel.
Daneben ein handgeschriebener Zettel von Sofia: „Such nicht nach der Wahrheit, Julien. Die Wahrheit hat uns schon längst verlassen.“
Dunkle Vorahnungen
Gerade als Julien das Video beenden wollte, bemerkte er ein Detail im Hintergrund der Aufnahme. In der Spiegelung des Fensters war eine Gestalt zu sehen, die einen dunklen Mantel trug – dieselbe Gestalt, die er vor Wochen vor seinem Büro gesehen hatte und für eine Einbildung hielt.
In diesem Moment stürmte eine Krankenschwester in den Flur. „Doktor! Patientin in Zimmer 402 – sie ist weg!“
Julien rannte los. Das Zimmer war leer. Das Fenster stand sperrangelweit offen, und auf dem Kopfkissen, wo Mias Kopf gelegen hatte, lag nun eine einzige, getrocknete blaue Blume.
Er verstand sofort: Das Verschwinden seiner Ex-Frau war kein Zusammenbruch. Es war eine Flucht. Und das, was im Krankenhaus entdeckt wurde, war nur die Spitze eines Eisbergs, der bis in seine eigene, vergessene Vergangenheit reichte.
Wer ist das Kind auf dem Sofa wirklich? Und welches Geheimnis hütete Sofia, das so gefährlich war, dass sie ihre Kinder im Stich ließ?
Fortsetzung folgt…
Hinweis: In den nächsten Teilen wird enthüllt, was sich hinter dem „Projekt Blue Rose“ verbirgt und warum Juliens eigene Erinnerungen lückenhaft sind.

