Teil 2:
Der junge Mann im weißen Hemd hielt das Mikrofon so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Er sah die Braut nicht an, sondern fixierte einen Punkt am Ende des Saales. Die Stille war so zerbrechlich wie Glas.
„Dieser Mann hier kann nicht dein Ehemann werden“, begann er mit einer Stimme, die kälter war als das Eis in den Sektkühlern, „denn er existiert offiziell seit sieben Jahren nicht mehr.“
Ein gellender Schrei entwich den Lippen der Braut. Die Gäste sprangen auf, Stühle scharrten über den Marmorboden. Der Bräutigam senkte den Kopf, Tränen fielen nun ungebremst auf seine Weste. Er widersprach nicht. Er stand einfach nur da, wie ein Verurteilter vor dem Schafott.

Ein falsches Leben
Der Fremde machte einen Schritt auf die Braut zu. „Alles, was er dir erzählt hat – die verstorbenen Eltern, das Studium im Ausland, die Narbe an seiner Schulter – alles ist Teil einer Geschichte, die ich für ihn geschrieben habe. Aber heute endet die Fiktion.“
Er zog einen zerknitterten Umschlag aus seiner Hosentasche und legte ihn auf den Altar, direkt neben die ungelesenen Ehegelübde.
Das dunkle Versprechen
Die Braut stammelte, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern: „Wer… wer bist du?“
Der Fremde lächelte zum ersten Mal, doch es war ein Lächeln ohne jede Wärme. „Ich bin der Grund, warum er heute Abend noch am Leben ist. Und ich bin hier, um die Schuld einzutreiben, die er vor sieben Jahren in jener Nacht im Wald von Blackwood unterschrieben hat.“
Der Bräutigam griff plötzlich nach dem Arm der Braut. „Lauf!“, beschwor er sie mit erstickter Stimme. „Hör ihm nicht zu, nimm das Geld unter dem Sitz des Fluchtwagens und verschwinde aus dieser Stadt!“
Der Abgrund öffnet sich
Doch es war zu spät. Die Türen des Festsaals wurden von außen verriegelt. Das Licht flackerte und erlosch für einen Moment, bevor es in einem unnatürlichen Rotton wiederkehrte.
Der Fremde beugte sich zum Mikrofon und flüsterte einen letzten Satz, der die Braut das Blut in den Adern gefrieren ließ: „Glaubst du wirklich, du wärst zufällig hier, Sarah? Frag ihn… frag ihn nach dem Mädchen mit dem blauen Medaillon.“
Die Braut ließ das Taschentuch fallen. In ihren Augen spiegelte sich nicht mehr nur Trauer, sondern das nackte Entsetzen. Sie kannte dieses Medaillon. Es war das einzige, was sie von ihrer verschollenen Schwester besaß.
Was geschah wirklich im Wald von Blackwood? Welche Rolle spielt die Braut in einem Spiel, das schon vor Jahren begann? Und wer ist der Mann im weißen Hemd wirklich?
Die Wahrheit ist viel dunkler, als ein Abschied am Altar vermuten lässt… Fortsetzung folgt.

